Tai Chi als Abiturfach an katholischer Privatschule

Vom Projekt „Tai Chi an saarländischen Schulen“ zur „Pilotschule für Tai Chi Chuan“.
Im alten China begann das Üben von Tai Chi Chuan schon im Kindesalter. Im heutigen China tun dies immer weniger Kinder und Jugendliche. Tai Chi schreckt junge Menschen ab, vor allem durch seine Langsamkeit. Dabei können gerade auch Kinder und Jugendliche von den Tai Chi Übungen profitieren.
Im Text „Chen Xiao Jia – Tai Ji Quan an einer saarländischen Schule“ (Die hier einmal verlinkte Seite existiert nicht mehr.) von Thomas Strube, Lehrer für Mathematik, Physik und Tai Chi Chuan, und im „Bericht von Nikolas Schön“ (Die hier einmal verlinkte Seite existiert nicht mehr.) geht es um die Erfahrungen mit Tai Chi Unterricht am Arnold-Janssen-Gymnasium in St. Wendel.
* In den Schulen wird zunehmend beklagt, dass die Schüler immer mehr Probleme haben mit ihrem Bewegungsapparat, ihren motorischen Fähigkeiten, Konzentrationsschwäche und Kopfschmerzen bis hin zu Migräne. Alles Probleme, bei denen Tai Chi Üben helfen kann. So entstand die Idee zum Projekt „Tai Chi an saarländischen Schulen“. Im Rahmen des Projektes hat sich das Arnold-Janssen-Gymnasium in St. Wendel beworben als „Pilotschule für Tai Chi Chuan“. So kam der Tai Chi Unterricht als reguläres Fach in den Stundenplan. Für die Unter- und Mittelstufe war der Tai Chi Unterricht ein Zusatzangebot, für die Oberstufenschüler war der Unterricht abiturrelevant und die Leistungen wurden auch bewertet.
* Zum Unterrichten wurde die Peking Form gewählt, die wohl am häufigsten geübte und standardisierte Tai Chi Form. Später kam dann noch eine Form aus dem Chen Stil dazu.
* Der Tai Chi Unterricht wurde von Schülern und Eltern gut aufgenommen und es kamen Nachfragen, auch im folgenden Jahr damit weiterzumachen.
* Für die Schüler waren besonders drei Dinge motivierend: Dass Tai Chi auch zur Selbstverteidigung dient, dass die Formen in verschiedenen Geschwindigkeiten geübt werden konnten, dass man im Schulstress mit Tai Chi zur inneren Ruhe kommen kann.
* Durch Rückmeldungen kamen noch andere Vorteile des Tai Chi Unterrichtes zu Tage: Weniger Rückenschmerzen bei den Schülern. Die Schüler wurden ruhiger und konnten besser mit dem Schulstress umgehen. Durch das Tai Chi Training wurden die Schüler in ihren anderen Sportarten besser. Schüler die sonst nicht so hervorstechen konnten sich in der Klasse mit Tai Chi mehr Respekt erarbeiten.

Ein Gedanke zu „Tai Chi als Abiturfach an katholischer Privatschule“

  1. Als Abiturfach wird die Shizeng Taijiquan Form nach Meister Chen Peishan (20. Generation der Chen Familie) unterrichtet. “Shizeng“ bedeutet “Vier Richtungen“.

    Es handelt dabei um eine kurze Form mit 20 Bewegungen, die von allen Taijiquan-Praktizierenden egal welcher Stilrichtung (Chen, Yang, Sun, Wu etc.) geübt werden kann. Diese Form ist keine simple Vereinfachung und Kürzung der traditionellen langen Form Yilu, sondern sie wurde über Jahre hinweg von Meister Chen Peishan entwickelt, um dem modernen Menschen gezielt zu helfen Spannungen zu lösen und Fehlhaltungen zu korrigieren, die bei den meisten Menschen durch ihre Schreibtischtätigkeit auftreten. Gleichzeitig wird der Zugang zum Erlernen der “ Inneren Bewegungen (neijin)“ im Taijiquan erleichtert.

    Bei der Shizeng Taijiquan Form werden die Bewegungen sehr groß ausgeführt und auf eine weite innere Ausdehnung des Körpers bis hin zu den Fingern wird permanent geachtet. Mit dem Üben der Form werden die Gelenke durch großen Kreisbewegungen nach und nach “geöffnet“ und damit frei und beweglich gemacht. Das “Öffnen“ des unteren Rückenbereiches, der Knie und Fußgelenke, und auch des Schulter- und Nackenbereichs wird unter anderem z.B. durch Bewegung Nr. 13 (dishuishi) forciert, in der der Schüler bei schulterbreiter, paralleler Fußstellung weit absitzen soll bis das Gesäß fast den Boden berührt. Ältere Menschen werden langsam zu dieser Position hingeführt, oder führen diese höher aus.

    Die Schüler auf dem Gymnasium lernen Ihr Skelett permanent richtig auszurichten, damit Ihr Körpergewicht über die Knochen und Sehnen in den Boden „fließen“ kann und dabei von der Strukturmuskulatur gehalten wird und nicht durch die Bewegungsmuskeln, die derweil entspannt werden sollen. Alle Taijiquan Prinzipien werden in dieser kurzen Form trainiert. Dazu gehören z.B. auch das fließende Verlagern des Gewichts von einem Bein auf das andere, ohne sich dabei vom Boden “abzustoßen“. Speziell Chen Stil Xiaojia spezifisch wird das permanente gerundet halten des “Dang (Hüftbereich)“ trainiert. Mit Zhan Zhuang (Stehen wie ein Baum) und Mabu Übungen wird die innere Kraft (Gongfu) der Schüler erhöht.

    Haben die Schüler die Shizeng Form gut gemeistert fällt es Ihnen leichter, später die traditionelle lange Form des Chen Stils Xiaojia zu erlernen, in der sie nun durch wesentlich kleiner und feiner werdende Kreisbewegungen zur inneren Verbindung des Körpers geführt werden. Denn Ihre Gelenke (Hüften, Schultern etc.) sind entspannt, offen und vorbereitet, so dass sie in der Lage sind die winzigen Bewegungen in den Gelenken auszuführen, die für diese feine innere Verbindung nötig sind.

    Workshops für Interessierte finden sich hier:
    http://die-pagode.de/de/die-pagode/termine-workshops-ausbildung-events

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