Den Zeitdruck loswerden mit Tai Chi

Dieser Text soll eine Anregung sein und keine Anleitung

Die Idee zu diesem Text kam mir, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass ich besonders viel schaffe, wenn ich mich nicht um die Zeit kümmere. Wenn ich die Uhr im Auge habe und auch all die Dinge, die noch zu machen sind, dann komme ich nicht so schnell voran. Wenn ich es schaffe, den Zeitdruck und die Berge an Arbeit zu ignorieren, dann schaffe ich es auch. Andere Menschen haben mir bestätigt, dass sie dieselbe Erfahrung gemacht haben. Wie kann man nun dieses Nicht-Zeitgefühl gezielt hervorrufen? Und wie kann das langsame Üben von Tai Chi dabei helfen? Auch wenn ich die Zeit nicht ändern kann, die Wahrnehmung der Zeit kann ich ändern.

 

 


Videoclip: Entschleunigung – Dem Zeitdruck sinnvoll begegnen

 

Die Verbindung zwischen Zeit und Bewegung

Albert Einstein hat einmal gesagt, es gäbe die Zeit nur aus einem einzigen Grund, damit nicht alles auf einmal geschieht. Und für die moderne Hirnforschung sind das Zeitgefühl und das Gefühl für Bewegung untrennbar miteinander verbunden. Verliert man das eine, geht auch das andere verloren.
In Gehirn des Menschen gibt es einen Taktgeber, mit dem das Timing der Bewegungen gesteuert wird. Wenn man sich schneller oder langsamer bewegt, dann ändert sich auch das Zeitgefühl. Allein nur das Schauen auf einen langsamen Wanderer oder schnelle Autos verändert das Zeitgefühl. Damit überhaupt ein Zeitgefühl da sein kann, muss etwas passieren. Ohne Bewegung oder die Wahrnehmung von Bewegung gibt es auch kein Empfinden für die Zeit.

 

Zeitdruck als Dauerbelastung

Der Zeitdruck läßt einen ständig an die Zeit denken und hat doch mit der Zeit eigentlich nichts zu tun. Zeitdruck ist ein Ausdruck von Perfektionismus und nicht von zu wenig Zeit. Der Tag ist verplant und Störungen im Tagesablauf erhöhen den Zeitdruck. Man hat eine lange Liste von Dingen, die man unbedingt tun möchte, um vor sich selbst gut dazustehen. Und wenn diese Liste zu lang ist, dann wird nicht etwa überlegt, auf welche Dinge man lieber verzichten sollte. Dann wird alles in den Terminkalender aufgenommen und mit jeder nicht erledigten Aufgabe steigt der Zeitdruck. Die höchste Form davon sind Termin-Plan-Systeme, die anzulegen noch mehr Zeit kostet und die das eigentliche Problem auf ein Stück Papier verlagern wollen.
Der Mensch kann Dinge im Voraus planen. Das Gehirn beschäftigt sich viel mit Vergangenheit und Zukunft. Und da kommen viele unerledigte Dinge zusammen. Eine Begleiterscheinung des Zeitdrucks ist es, dass man von den unerledigten Dingen auch dann noch gequält wird, wenn man gerade Pause hat. Auch wenn man gerade nichts tun kann, kann man nicht mehr abschalten. Beim Essen, beim Einkaufen, beim Warten an einer Haltestelle oder der Klassiker überhaupt: Grübeln statt Schlafen.
Natürlich kann Zeitdruck auch positiv sein, wen er für die Erledigung einer bestimmten Aufgabe bewußt eingesetzt wird. Oder wenn man sich dazu zwingt, eine unangenehme Aufgabe zu erledigen, für die eigentlich genug Zeit zur Verfügung steht. Wenn aber alles nur noch unter Zeitdruck geschieht, dann ist das Ergebnis nur noch Stress, mit allen seinen negativen Begleiterscheinungen – und es wird weniger erledigt, als eigentlich möglich gewesen wäre.

Die individuelle Zeit ändern – Buch: Im Buch der Psychologen Philip G. Zimbardo und John Boyd „Die neue Psychologie der Zeit: und wie sie Ihr Leben verändern wird.“ wird die persönliche Zeitperspektive besprochen. Jeder Mensch hat sich unbewußt eine persönliche Zeitperspektive geschaffen, die auch wieder geändert werden kann. Es geht um Empfindungen wie Zeitdruck, dass die Zeit einem davonläuft oder vielleicht sogar schon vorbei ist.: Die neue Psychologie der Zeit: und wie sie Ihr Leben verändern wird. Buch. – ansehen bei Amazon

 

Zeit und Tai Chi

Wer anfängt Tai Chi zu üben, ich nehme mich dabei nicht aus, der geht an die Tai Chi Übungen so heran, wie er auch sonst an seine Aufgaben herangeht. Das Leistungsdenken wird auch in das Tai Chi Üben übernommen. Tai Chi wird mit Bewertung und Anspruch geübt, und darum mit Stress.
Dabei soll gerade Tai Chi die Gelassenheit fördern. Man soll bei sich selber ankommen, ohne Plan, ohne Absicht, ohne Erwartungen. Durch die langsamen Bewegungen wird auch das Zeitgefühl in die Länge gezogen. Die Zeit spielt keine Rolle mehr. In der Wahrnehmung verlangsamen sich die Bewegungen anderen Menschen, die sich einem normalen Tempo bewegen. Tai Chi Meister haben den Eindruck, dass sich ein schneller Gegner langsam bewegt und sie Zeit haben, auf seine Angriffe zu reagieren. Das langsame Zeitgefühl wird noch verstärkt durch das Spüren der Pausen und durch das Zusammenspiel mit einer langsamen Atmung. So kann die Zeitwahrnehmung verändert werden, wenn man es zuläßt.

Die Zeit in verschiedenen Kulturen – Buch: Im Buch des Psychologen Robert Levine „Eine Landkarte der Zeit. Wie Kulturen mit Zeit umgehen.“ werden als verschiedene Zeiten beschrieben die „Uhr-Zeit“, die „Natur-Zeit“ und die „Ereignis-Zeit“. Die Zeit ist individuell und von Land zu Land verschieden.: Eine Landkarte der Zeit. Wie Kulturen mit Zeit umgehen. Buch. – ansehen bei Amazon

 

Qigong mit den Fingern – Buch: Auf der Hand befinden sich viele Akupunkturpunkte, in den Fingern enden viele Meridiane. Sie alle können gezielt aktiviert werden, einfach und schnell. Dafür werdend die Finger bewegt, gedrückt oder beklopft. Das hilft gegen die unterschiedlichsten Beschwerden.: Finger-Qigong: Einfache und schnelle Hilfe durch Übungen für die Hände. Buch. – ansehen bei Amazon

 

Autor: Heiko Zaenker