Was ist Tai Chi – sich mühelos bewegen lernen

Die Frage, was ist Tai Chi, kann ganz einfach beantwortet werden. Es ist etwas ganz anderes.

Jeder Schritt ist ein Schritt in eine andere Körperwelt. Es ist die Vereinigung verschiedenster Bewegungssysteme zu einer neuen Bewegungskunst.

Sehen die Bewegungen schon äußerlich einzigartig aus, passiert die eigentliche Bewegung im inneren. Wenn ich nicht weiß, was ich innerlich tun soll, bleibt alles nur eine hohle äußere Form.

 

Im Video (Spieldauer 02:31 Minuten) wird demonstriert wie im Tai Chi Bewegungen aus dem Loslassen entstehen. In diesem Fall heben sich die Hände durch ein Loslassen in den Schultern. Dazu müssen die Schultern auf eine ganz spezielle Art und Weise loslassen.

 

Was ist Tai Chi? Entspannung und Langsamkeit!

Eine Theorie besagt, das Schattenboxen aus einer Sitzmeditation entstanden ist. Der Übende scheint ständig kurz davor zu sein, in dieser Bewegungsmeditation einzuschlafen.

Die Langsamkeit hat einen Grund. So wird die Haltemuskulatur trainiert. Ginge das Tempo schneller, würde die Bewegungsmuskulatur die Arbeit übernehmen, wie bei Bewegungen sonst üblich.

Die Haltemuskulatur ist viel kräftiger und feiner. Die Haltemuskulatur ist immer aktiv und hält den Körper im Gleichgewicht. Wenn wir Fahrrad fahren lernen, dann versuchen wir es zuerst mit der Bewegungsmuskulatur. Die Bewegungen sind ruckartig und wir können uns nicht auf dem Fahrrad halten. Wenn die Haltemuskulatur dann die Arbeit übernimmt, merken wir ihre ständige Anstrengung gar nicht mehr.

Außerdem entstehen beim Tai Chi die Bewegungen aus der Entspannung. Wir lassen los und nutzen dabei die Schwerkraft und nehmen den Boden als Übungspartner. Mit jedem Sinken wird Energie gespeichert, die dann in der folgenden Bewegung genutzt wird. So geht das Schritt für Schritt. Wie ein Känguru, dass bei jedem Sprung die Energie für den folgenden Sprung in den Sehnen speichert.

So entstehen ganz natürlich spiralförmige Bewegungen.

So kommt die erste Antwort auf die Frage: Was ist Tai Chi? Es ist eine Kombination aus Langsamkeit und Bewegen aus der Entspannung. Langsamkeit und Bewegen aus der Entspannung heraus kann nur gelingen, wenn die Körperausrichtung optimal ist. In jedem Moment. Darum ist jede Bewegung noch einmal in viele kleine Einzelbewegungen unterteilt. Jede Bewegung wird bewusst ausgeführt. Um das hinzubekommen, braucht es Jahre.

Wenn es aber gelingt, dann bewegt sich der Schattenboxer mühelos, als wäre er eine Feder. Aus dieser Leichtigkeit kann er jederzeit eine große Kraft entwickeln.

 

Die Tai Chi Form: der Tanz mit Yin und Yang

Schattenboxen wird in der Form geübt. Ein Bewegungsbild reiht sich nahtlos an das andere. Die Bewegungsbilder haben poetische Namen wie „Die Schlange kriecht am Boden“, „Der Weiße Kranich breitet seinen Flügel aus“ oder einfach nur „Schulterstoß“. Die Figuren scheinen kein Anfang zu haben und kein Ende.

Die zweite Antwort auf die Frage: Was ist Tai Chi? Es ist ein Spiel mit Yin und Yang.

Der Körper bewegt sich im Yin-Yang-Prinzip. Immer ist ein Bein belastet und das andere Bein entlastet. Mit jedem Schritt wechselt die Seite. Dieses Prinzip geht quer durch den Körper. Ist das rechte Bein belastet (voll) dann ist der linke Arm auch voll; das linke Bein und der rechte Arm sind leer. Die Beine sind dabei gebeugt, als wollte ich mich gerade auf einen Barhocker setzen. Ich sitze also immer gerade auf einem Bein. Tai Chi Chuan ist die Verkörperung eines ewigen Wandels. Die eine Seite trägt den Körper und die andere Seite ist auf der Suche.

Alle üben sie die gleiche Form, der Meister wie der Anfänger. Der Meister hat nur schon viel mehr Möglichkeiten entdeckt, die in den Figuren stecken. Viele Übende nennen sich heutzutage „Tai Chi Spieler“, weil sie immer mehr Möglichkeiten erkunden können, je feiner ihre Bewegungen werden. Man sagt, dass ein Menschenleben nicht ausreicht, um Tai Chi vollständig zu verstehen.

Im Schattenboxen kann ich mir nicht meine Lieblingsübungen aussuchen, wie das im Yoga möglich ist. Zwar gibt es unterschiedlich lange Tai Chi Formen, doch die grundlegenden Figuren sind darin immer enthalten. Es ist immer das gleiche Ganzkörpertraining.

 

Welchen Tai Chi Stil sollte ich wählen?

Wenn man es frech formuliert, dann hat sowieso jeder Übende und jeder Meister seinen einen eigenen Stil. „Zehntausend Wege – ein Prinzip“, sagt ein Spruch aus dem Qigong.

Natürlich denkt jeder Stilvertreter, dass sein Stil der beste ist. Aber letztlich sind die Grundprinzipien immer die gleichen. Darum ist auch der Stil nicht so wichtig, viel wichtiger ist ein guter Lehrer.

Es gibt einen speziellen Typ von Tai Chi Schüler, der einen Stil nach dem anderen lernt. Diese „Formen-Sammler“ dringen nie tief in die eigentliche Tai Chi Arbeit ein.

 

Was unterscheidet Tai Chi vom Qigong?

Tai Chi Chuan ist die Qigong-Kampfkunst. „Tai Chi“ beschreibt das „Yin-Yang-Prinzip“ und „Chuan“ ist die Faust. In jeder Figur stecken verdeckte Kampfkunst-Anwendungen.

In den Tai Chi Bewegungen sind die Grundprinzipien verschiedenster Qigong System vereinigt. Darum ist Tai Chi auch so gut für die Gesundheit.

Dem Schattenboxen werden aber ganz andere Kampfkunst Wunderkräfte zugeschrieben. Ein Gegner kann durch eine leichte Berührung mit der Hand meterweit weggeschleudert werden. Das sind Fähigkeiten, die nach jahrzehntelangem Üben erreicht werden können. Für den normalen Tai Chi Spieler also völlig uninteressant.

Die dritte Antwort auf die Frage: Was ist Tai Chi? Es ist eine höhere Form von Qigong.

 

Im Video (Spieldauer 06:17 Minuten) geht es um die Superkräfte, die ich mit Tai Chi erlangen kann. Warum es gar nicht so gut ist, diese Fähigkeiten mühevoll zu erlernen. Der Tai Chi Spieler sollte lieber ganz einfache Dinge anstreben. Sich wohl fühlen zum Beispiel.

 

Was ist Tai Chi für die Gesundheit

Die vierte Antwort auf die Frage: Was ist Tai Chi? Es ist eine Kampfkunst, die viel für die Gesundheit tun kann.

„Übe Tai Chi und du erlangst die Gesundheit eines Holzfällers, die Biegsamkeit eines Kindes und die Gelassenheit eines Weisen.“

* Weniger Stress – Die Bewegungen sind so kompliziert, dass der Übende gar keine Zeit mehr hat, an etwas anderes zu denken. Durch das langsame, entspannte Üben setzt mit der Zeit eine dauerhafte Tiefenentspannung ein. Die gereizten Nerven kommen zur Ruhe.

* Schongymnastik für den Rücken – Durch die Tai Chi Haltung wird der Rücken immer optimal aufrecht gehalten. Der Übende stellt sich vor, dass der Kopf an einer Schnur befestigt wie ein Hampelmann. Am Steißbein hängt ein imaginäres Gewicht. Die vielfältigen Yin-Yang-Bewegungen trainieren die Muskulatur von allen Seiten und bis in die Tiefen hinein.

* Geschonte Gelenke – Durch die optimale Körperhaltung werden die Gelenke weniger belastet. Das Training der Muskulatur verpasst den Gelenken ein besseres „Korsett“. Durch die ständigen Yin-Yang-Bewegungen werden wirklich alle Gelenke benutzt, in den verschiedensten Richtungen.

* Starke Knochen – Der Körper strukturiert die Knochen immer so, wie sie belastet werden. Durch die Yin-Yang-Bewegungen werden die Knochen von allen Seiten gefordert. Die Knochenstruktur wird dadurch spiralförmig geordnet. Die starken Knochen durch Taiji Training werden in dem Bild beschrieben: Eine in Watte gehüllte Stahlnadel. Von Außen ist der Tai Chi Spieler ganz weich, im inneren sind die Knochen hart wie Stahl.

* Sanfte Dehnung – Tai Chi kennt beim Dehnen keinen Ehrgeiz wie im Yoga. Muskeln, Sehnen, Bänder und Faszien werden in keiner Position bis zum Ende gedehnt. Gleichzeitig können entspannte Muskeln, Sehnen, Bänder und Faszien besser gedehnt werden. Langsames Dehnen plus Entspannung weitet ganz allmählich den Bewegungsradius.

* Das Qi fließen lassen – Taijiquan ist Akupunktur ohne Nadeln, einfach nur durch Bewegung. Die Bewegungen sind so konzipiert, dass der Energiefluss im ganzen Körper sanft angeregt wird. Energieblockaden werden gelöst. Alle Organe werden besser mit Qi versorgt, bis in die Haut und in das Knochenmark. Der ganze Körper wird energetisiert.

* Massiert die inneren Organe – Die ständigen Wechsel von einer Seite zur anderen, von oben und unten erzeugen innere Drücke. Dadurch werden die inneren Organe ununterbrochen massiert. So wird beispielsweise auch der Darm massiert, was den Stoffwechsel anregt.

* Entspannte und kräftige Hüfte – Die Tai Chi Bewegungen sind ein intensives Hüfttraining. Die Hüfte wird vor allem viel lockerer.

* Venengymnastik – Jeder Schritt unterstützt die Adern in den Beinen dabei, das Blut wieder zurück zum Herzen zu pumpen. Beim Schattenboxen wird noch eine besondere Schritttechnik verwendet, bei der ich nicht auf den Fuß falle sondern den Fuß erst leicht auflege und ihn dann belaste. Das ist ein gutes Venentraining und beugt Krampfadern vor.

* Kreislauf – Der Stressabbau und das sanfte Körpertraining durch die Taichiübungen wirken sich positiv auf Herz, Kreislauf und Blutdruck aus.

* Kann ich mit Schattenboxen abnehmen? – Die Tai Chi Ratgeber behaupten das. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, es funktioniert nicht. Zum Abnehmen hilft nur eine Ernährungsumstellung.

 

Schattenboxen ist noch für vieles andere gut. Ich denke aber, das sind die wichtigsten Punkte.

 

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Autor: Heiko Zaenker