Was ist Tai Chi?

 

Was ist Tai Chi? Ein Sport für jedes Alter!

Was ist Tai Chi? Es ist eine Bewegungskunst, die auf jahrtausendealten Beobachtungen chinesischer Mönche und Heiler aufbaut und nach Regeln funktioniert, die auf den ersten Blick widersprüchlich oder sogar unsinnig erscheinen. Regelmäßiges Tai Chi Üben hat große positive Auswirkungen auf die mentale und körperliche Gesundheit. „Übe Tai Chi und du erlangst die Gesundheit eines Holzfällers, die Biegsamkeit eines Kindes und die Gelassenheit eines Weisen.“

Wer spazierengehen kann, der kann auch Tai Chi üben. Das Alter spielt keine Rolle. Übergewicht spielt keine Rolle. Wer schnell aus der Puste kommt – auch kein Problem. Was man mitbringen sollte sind Geduld, Ausdauer und Beständigkeit. Es zählt nicht das Lebensalter, es zählt die Übungszeit. Die Bewegungen kommen aus dem Bauch und aus der Vorstellungskraft.

Tai Chi wird manchmal als „AOK Gymnastik“ bezeichnet. Das liegt daran, dass viele Menschen zu dieser besonderen Form der Gymnastik stoßen, wenn sie Probleme mit ihrer Gesundheit bekommen. Zu diesem Zeitpunkt ist man in der Regel schon etwas älter. Da Taijiquan in der Gruppe aber auch einzeln geübt werden kann ist auch für jeden sozialen Typ etwas dabei.

 

Wie wurde Tai Chi zum Volkssport?
Die Initiative dafür ging von den Tai Chi Meistern selbst aus. Dafür gab es zwei Ursachen.

* China war von fremden Mächten besetzt. Als Patrioten empfanden die Tai Chi Meister dies als Schmach und wollten ihren Beitrag dazu leisten, die fremden Truppen wieder zu vertreiben. So begannen einige Tai Chi Meister damit, die Kondition der jungen Männer und Frauen zu verbessern, damit diese gesund bereitstanden für den Fall, dass sich das chinesische Volk gegen seine Besatzer erheben würde. Ein Symbol dafür ist der Boxeraufstand geworden.

* Der andere Grund hatte eine finanzielle Ursache. Mit dem Aufkommen der Feuerwaffen verlor Tai Chi seine Bedeutung als Kampfkunst. Damit kamen weniger Schüler, von denen die Lehrer ja lebten. Was ist Tai Chi? Diese Frage mußte neu beantwortet werden. Dabei halfen die gesundheitlichen Wirkungen. Denn die Tai Chi Meister waren bekannt für ihre Vitalität und für ihre robuste Gesundheit. Also begannen die Tai Chi Lehrer, ihre Kunst als Gesundheitsübung zu vermitteln. Das kam so gut an, dass die Tai Chi Übungen heute die Welt erobert haben.

 

Was ist Tai Chi? Entspannung und Langsamkeit!

 

* Mit Langsamkeit zur Leichtigkeit. – Mit Langsamkeit schneller ans Ziel kommen.

Ein Markenzeichen der Tai Chi Übungen sind die langsamen Bewegungen. Diese Langsamkeit hat zwar auch den Effekt der Entschleunigung und dies auch erwünscht, für das langsame Üben gibt es aber auch noch andere Ursachen.

Beim Tai Chi Üben kommt Qualität vor Quantität. Die Bewegungen sollen möglichst korrekt ausgeführt werden, damit sie richtig wirken können, und das geht nur, wenn sie in viele kleine Einzelbewegungen unterteilt werden. Dann ist die Langsamkeit auch ein guter innerer Trainer. Was jeder Schüler früher oder später bemerkt ist, dass eine Bewegung schneller ausgeführt wird, wenn sie nicht richtig beherrscht wird. So kann man die Schwachstellen beim Üben selbst finden.

Langsame Üben werden mit Entspannung in Verbindung gebracht. Das stimmt auch, wenn man es auf lange Sicht betrachtet. Aber für den Anfänger sind langsame Bewegungen sehr anstrengend.

Ein weiterer Grund für die langsamen Bewegungen ist, dass beim Tai Chi die Haltemuskulatur für Bewegungen trainiert wird. Die Haltemuskulatur kann viel mehr Kraft entwickeln und viel stärker sein als die Bewegungsmuskulatur. Die Haltemuskulatur wird nicht vom Willen gesteuert, sie wird vom Unterbewußtsein gesteuert durch Reflexe. Die Haltemuskulatur ist immer aktiv und hält den Körper im Gleichgewicht. Jeder, der Fahrradfahren gelernt hat, der hat gelernt, die Haltemuskulatur zu nutzen. Wer zum ersten Mal aufs Rad steigt, der kann sich nicht im Gleichgewicht halten, weil er die Bewegungsmuskulatur einsetzt, die viel zu sprunghaft dafür ist. Erst wenn die Haltemuskulatur die Arbeit übernimmt, bleibt man auch auf dem Rad. Wie das funktioniert kann man nicht erklären, es funktioniert einfach unterbewußt durch regelmäßiges Üben. Durch die langsamen Bewegungen beim Tai Chi wird die Haltemuskulatur darauf trainiert, die Bewegungen zu übernehmen. Je besser dies gelingt, umso mehr steigen eine innere Kraft und Schnelligkeit, die man so einem Menschen von außen nicht ansehen kann. Gleichzeitig entsteht ein ungeahntes inneres Gefühl von Leichtigkeit.

 

* Mit Entspannung zur inneren Kraft. – Aus dem Loslassen kommt die Bewegung

„Entspannung“, „Loslassen“ oder „Song“ sind Worte, mit denen ein weiteres Tai Chi Prinzip beschrieben wird. Es ist nicht richtig formuliert, wenn man sagt, dass sich der Übende beim Tai Chi entspannt bewegt. Richtiger ist es zu sagen, dass die Tai Chi Bewegungen aus der Entspannung entstehen, aus dem Loslassen. Durch ein Sinken in den Fuß wird Energie gespeichert, die dann zur Bewegung des Körpers genutzt wird. So geht das Schritt für Schritt. Oder die Hände werden gehoben durch ein Loslassen in den Schultern.: Arme steigen wenn Schultern sinken. Ein Prinzip der Tai Chi Bewegungen. – Videoclip

Es entsteht eine völlig neue Art sich zu Bewegen. Die Grundlage dafür sind innere Bewegungen, die von außen nicht gesehen werden können. Jedenfalls nicht von Menschen, die kein Tai Chi können. Die innere Bewegungen werden nicht gemacht, man läßt sie entstehen. Dazu braucht es Vertrauen in den eigenen Körper und ein Üben ohne Leistungsdruck. Es ist ein gelassenes, absichtsloses Üben. Ohne Erwartung und ohne Wertung nur spüren, zulassen, loslassen. Mit dem körperlichen Gleichgewicht verbessert sich dann auch das psychische Gleichgewicht.
Diese mühelosen Bewegungen, wenn man sie einmal beherrscht, entwickeln trotz ihrer Weichheit eine außergewöhnlich große Kraft.

 

* Die Schwerkraft als Trainingsgerät. – mit dem Boden als Trainingspartner

Eine Tai Chi Besonderheit ist das Trainieren durch das eigene Körpergewicht. Dazu wird zunächst eine anatomisch präzise Grundhaltung eingenommen, um unnötige Belastungen verschwinden zu lassen. Dann beginnen Körper und Geist, festen Boden unter sich finden, was zu einer inneren Aufrichtung und einem inneren Halt führen, die wiederum eine große Lockerheit ermöglichen. Der Körper bewegt sich immer in Balance. Die Bewegungen entstehen aus dem Sinken. So entstehen ganz natürlich spiralförmige Bewegungen. Der Körper bewegt sich fließend. Es entstehen Bewegungen, die mit Freude entspannt zugelassen werden.

 

* Die Atmung als Katalysator. – Entschleunigung durch tiefere Atmung

Was ist Tai Chi? Tai Chi ist Meditation in Bewegung. Eine Theorie besagt, dass Tai Chi aus einer Sitzmeditation entwickelt wurde. Eine Zentrale Rolle bei der Meditation hat die Atmung. So auch beim Tai Chi Üben. Die Atmung wird langsamer, ruhiger, tiefer. Dies wird erreicht durch eine tiefe Bauchatmung (Zwerchfellatmung). Durch die tiefe Atmung werden gestärkt das Zwerchfell, die Bauchmuskeln, der Herzmuskel und die Lunge. Das Ziel ist, die Atmung sanft fließen zu lassen. Nach Jahren des Übens verbindet sich die Atmung mit der Körperbewegung. Die Atmung trägt wesentlich zur Tiefenentspannung bei.

 

Was ist Tai Chi: Ein Gesundheitsprogramm

 

– Was kann Tai Chi für mich tun?
Viele Menschen stellen sich die Frage, was ist Tai Chi, wenn sie chronische körperliche Beschwerden bekommen. Einige lernen Taijiquan zum ersten Mal in einer Reha-Gruppe kennen. Die Übungen sollen den Heilprozess unterstützen. Die Selbstheilungskräfte sollen angeregt werden. Getreu dem Motto: Training ist das beste Medikament. Man kann nicht unbedingt Krankheiten damit heilen, aber es kann beim Heilen helfen. Andere sind gesund, wollen Krankheiten aber vorbeugen. Die Beschwerden, bei denen Taijiübungen helfen sollen sind zahlreich. Hier die wichtigsten Gründe, Tai Chi zu lernen. Dass auch einige Krankenkassen zu Tai Chi Lehrgängen Geld dazu geben ist für den einen oder anderen auch ein Ansporn.
Wichtig ist das regelmäßige Üben. Eine besondere Tai Chi Stufe muss man nicht erreichen, damit die Übungen gut für die Gesundheit sind.

* Weniger Stress – Durch die Tiefenentspannung beim Üben wird Stress abgebaut. Geist und Körper werden darauf trainiert, mit stressigen Situationen im Alltag besser zurecht zu kommen und Stress gar nicht erst entstehen zu lassen. Dem Burnout wird vorgebeugt und auch Kopfschmerzen, Migräne, chronischer Müdigkeit und Konzentrationsstörungen.

* Schongymnastik für den Rücken – Fehlhaltungen der Wirbelsäule werden sanft korrigiert. Der gesamte Halteapparat der Rückens wird bis in die Tiefen gestärkt. Gleichzeitig lernt der Rücken, sich aufrecht zu entspannen. Dabei werden auch Schulter- und Nackenverspannungen gelöst, die eine Ursache sind für Nacken- oder Schulterschmerzen.

* Stärkung und Entspannung der Gelenke und Knochen – Typische Beschwerden sind Gelenkschmerzen, Gliederschmerzen, Arthrose, Arthritis, Rheuma oder auch Osteoporose. Taijiquan hilft durch eine bessere Körperhaltung. Dadurch können Gelenkstellungen optimiert werden. Die Belastung der Gelenke wird verringert. Viele aktive Kampfsportler sind zum Tai Chi Chuan gewechselt, weil beim Training ihrer alten Kampfkunst (Kungfu, Karate) die Gelenke nicht mehr mitgespielt haben. Die ständig wechselnden Bewegungen stärken Knochen, Muskeln, Sehnen und Bänder, was wiederum den Gelenken ein besseres „Korsett“ verpaßt. Die starken Knochen durch Taiji Training werden auch in dem Bild beschrieben: Eine in Watte gehüllte Stahlnadel.

* Blutdruck und Kreislauf – Der Stressabbau und das sanfte Körpertraining durch die Taichiübungen wirken sich positiv auf Herz, Kreislauf und Blutdruck aus.

* Weniger Stürze – Eine Kräftigung des Körpers und ein besseres Gleichgewichtsgefühl beugt Stürzen vor, die besonders im Alter öfter auftreten und schlimme Folgen haben können.

* Kann man mit Tai Chi abnehmen? – Das soll so sein. Ich kann aber aus eigener Erfahrung sagen, dass dies nicht funktioniert. Zumindest nicht für einen Freizeit-Taichianer.

* Besserer Schlaf – Schlafstörungen können gemindert und eventuell sogar beseitigt werden. Besonders hilfreich ist dabei, wenn die Form noch einmal vor dem zu Bett gehen geübt wird.

* Entspannte und kräftige Hüfte – Die Tai Chi Bewegungen sind ein intensives Hüfttraining.

* Venengymnastik – Die Tai Chi Schritte sind ein gutes Venentraining und beugen Krampfadern vor.

* Bessere Verdauung – Durch den ständigen Wechsel von einem auf das andere Bein, von der einen Körperseite auf die andere Körperseite werden die inneren Organe und auch der Darm massiert, was das Verdauungssystem und den Stoffwechsel anregt. Überhaupt werden beim Üben ganz verschiedene körperinterne Pumpen unterstützt.

* Taichi Übungen sollen auch noch gut sein für: das Nervensystem, das Immunsystem, die Augen, die Nieren, den Beckenboden, bei Tinnitus, bei Atemwegserkrankungen, bei Depression, bei Menstruationsschmerzen

Was ist Tai Chi? / Was ist Qigong?
Was ist der Unterschied zwischen Tai Chi und Qigong? Vereinfacht könnte man sagen, Tai Chi Chuan ist ein komplexeres Qigong. Oder auch: Tai Chi ist die Kampfkunst des Qigong. Qigong Übungen werden auch im Stehen, Sitzen oder Liegen praktiziert. Auch kann man sich ein Qigong System gezielt aussuchen, beispielsweise für den Rücken, als sanftes Stretching oder für ein bestimmtes inneres Organ. In den Tai Chi Bewegungen sind die Grundprinzipien verschiedenster Qigong System vereinigt

 

Die Tai Chi Form: ein ganz besonderer Tanz

 

Wenn man einem Tai Chi Übenden zusieht, dann erscheinen die Bewegungen wie ein daoistischen Tanz. Es ist ein Tanz ohne Musik, nur im Rhythmus der Körpers. Die Bewegungen erscheinen geheimnisvoll, auch weil sie in einer Art Zeitlupe ausgeführt werden.

Die Tai Chi Form ist eine Aneinanderreihung von einzelnen Bewegungsbildern, die oft poetische Namen haben wie „Die Schlange kriecht am Boden“, „Der Weiße Kranich breitet seinen Flügel aus“ oder einfach nur „Schulterstoß“. Ein Bewegungsbild geht nahtlos in ein anderes über. Die Figuren scheinen kein Anfang zu haben und kein Ende. Die Tai Chi Form kann in der Kurzform fünf Minuten dauern, es gibt aber auch Langformen, für die der Übende fast eine Stunde benötigt, um sie einmal zu laufen.

Die Frage, Was ist Tai Chi?, kann äußerlich so beantwortet werden, dass ein und dieselbe Tai Chi Form vom Anfänger bis zum Tai Chi Meister immer wieder gelaufen wird. Schüler und Lehrer scheinen immer die gleichen Bewegungen zu üben. Die Veränderung geschieht im Inneren. Mit diesen immer gleichen äußeren Bewegungen werden die inneren Bewegungen immer mehr verfeinert.

Wie die Figuren der Tai Chi Form geübt werden, hängt nicht nur von der Dauer des Trainings ab. Wichtig ist auch die innere Einstellung. Wird die Tai Chi Form geübt als Meditation, als Heilgymnastik, als Kampfkunst oder ganz allgemein für die Gesundheit? All dies ist möglich.
Im folgenden Video hat sich der Tai Chi Lehrer Daniel Grolle einmal den Spaß gemacht, drei verschiedene „Tai Chi Typen“ zu karikieren. Ich denke, die Unterschiede kann auch jemand sehen, der noch nie eine Form geübt hat. Der Anfang der Tai Chi Form wird gelaufen von einem Übenden, der die Tai Chi vom Kopf her ganz korrekt laufen will, der andere Übende hält sich für einen Kampfkünstler und der dritte Übende fühlt sich in die Bewegungen esoterisch hinein.: Tai Chi intellektuell, esoterisch und kämpferisch – Videoclip auf Youtube

Wenn man die äußeren Bewegungen der Tai Chi Form gelernt hat, dann beginnt erst die eigentliche innere Arbeit. Dann beginnen die inneren Übungen. Leider gibt es Übende, die eine Form lernen und wenn sie die äußeren Bewegungen können, dann sofort eine andere Form lernen. Diese Formensammler dringen nicht in die Tiefen der Tai Chi Prinzipien ein.

Wenn man die äußeren Bewegungen einer Tai Chi Form gelernt hat, dann beginnt das Üben der Tai Chi Prinzipien. Die äußerlich immer gleichen Abläufe geben die Möglichkeit, die Bewegungen im Inneren zu erkunden. Der heutige Tai Chi Schüler hat den Vorteil, dass ihm viel vom Lehrer erklärt wird. Die traditionellen Meister machten oder machen eine Bewegung vor, ohne etwas zu erklären, dann muss der Schüler die Bewegung nachmachen. Wenn der Schüler es nicht richtig macht, dann zeigt der Meister die Übung noch einmal. Der Schüler muss die Bedeutung einer Bewegung selbst herausfinden.

Die Vertiefung der Tai Chi Fähigkeiten erfolgt in 5 Stufen. Der Lernprozess verläuft vom Groben zum Feinen. In der ersten Stufe werden die äußeren Bewegungen gelernt. Das ist das Fundament, auf dem die weitere Entwicklung aufgebaut wird. In der zweiten Stufe wird die Energie entdeckt. Die Energiekanäle werden geöffnet und das Qi kann frei fließen, auch in die Knochen und die Gelenke. Die dritte Stufe gibt dem Übenden die Möglichkeit, sich selbst zu korrigieren. Fehlhaltungen oder nicht korrekte Bewegungen werden erspürt und können gefühlsmäßig korrigiert werden. Die Atmung wird mit den Bewegungen koordiniert. In der vierten Stufe wird der Sinn der Bewegungen als Kampfkunstanwendung erspürt. Alle Figuren werden so ausgeführt, als würde man wirklich mit einem Gegner kämpfen würde. Jetzt ist es wirklich Schattenboxen. In der fünften Stufe schließlich ist der Übende eins mit dem Tai Chi Prinzip. Blitzschnell kann von Härte in Weichheit gewechselt werden. Was davon ist Tai Chi? Jede Stufe ist „richtiges“ Tai Chi und die gesundheitlichen Vorteile wirken von Anfang an, auch wenn eine große Meisterschaft nie erreicht werden sollte. Das Tai Chi lernen hört nie auf. Man sagt, dass ein Menschenleben nicht ausreicht, um Tai Chi vollständig zu verstehen. Darum nennen sich viele Übenden auch Tai Chi Spieler. Man lernt nicht, man lehrt nicht, man erkundet die Möglichkeiten und hat Spaß dabei.

 

Die Tai Chi Stile. Welcher ist der beste Stil?

 

Tai Chi ist als Kampfkunst entstanden. Es wird unter anderem auch deshalb als „Innere Kampfkunst“ bezeichnet, weil es sich um Geheimwissen handelte, das nur innerhalb einer Familie weitergegeben wurde. Nur ausgewählte Schüler wurden in die tiefen Tai Chi Geheimnisse eingeweiht. Als ältester Tai Chi Stil gilt der Chen Stil der Chen Familie aus dem Dorf Chenjiagou, der sich je nach Familientradition wiederum in verschiedene Unterstile teilt. Neben dem Chen Stil sind heute noch bedeutende Stile der Yang Stil, Wu Stil, Hao Stil und der Sun Stil. In jedem Stil werden die Figuren etwas anders geübt. Die wichtigsten Tai Chi Figuren sind aber in allen Tai Chi Formen von allen Stilen enthalten. Wenn man es frech formuliert, dann hat sowieso jeder Übende und jeder Meister seinen einen eigenen Stil.

Die heute am meisten geübte Tai Chi Form ist die Pekingform. In der kurzen 24er Pekingform sind Bewegungen aus dem Yang Stil übernommen worden. In die langen 48er Pekingform sind Bewegungen aus Yang Stil, Chen Stil, Wu Stil und Sun Stil enthalten. Die Pekingform ist die offizielle chinesische Tai Chi Form.

Welcher Tai Chi Stil ist nun der beste Stil? Welcher Tai Chi Stil ist nun der authentische? Was ist Tai Chi? Was ist kein Tai Chi?
Natürlich denkt jeder Vertreter, dass sein Stil der beste ist. Aber letztlich sind die Grundprinzipien immer die gleichen. „Zehntausend Wege – ein Prinzip“, sagt ein Spruch aus dem Qigong. Darum ist auch der Stil nicht wichtig sondern ein guter Lehrer.

 

Die „Wunderkräfte“ der Inneren Kampfkunst Tai Chi

 

* Das Qi fließen lassen – Tai Chi als Energiebad und zur Lenkung des Qi

Bei den alten Chinesen stand die Lebensenergie, das Qi im Mittelpunkt aller Gesundheitsübungen. Tai Chi ist Energiearbeit pur. Die Bewegungen sind so konzipiert, dass der Energiefluss im ganzen Körper sanft angeregt wird. Die Tai Chi Form kann auch angesehen werden als eine Akupunktur durch Bewegung. Energieblockaden werden gelöst. Mit den Taiji Übungen sollen die Energiebahnen durchlässiger gemacht werden. Alle Organe werden besser mit Qi versorgt bis in die Haut und in das Knochenmark. Der ganze Körper wird energetisiert.

Der Energiefluss soll aber nicht nur angeregt werden. Das Qi kann wahrgenommen werden. Das Qi soll mit den Gedanken gelenkt werden. Schließlich soll der Körper mit dem Qi bewegt werden. Dann können Gedanken den Körper bewegen. Eine legendäre Tai Chi Fähigkeit, die aber nicht viele Menschen beherrschen.

Im folgenden Video wird über folgende Themen gesprochen: Tai Chi ist Yin und Yang. Was ist innere Energie? Was ist der Weg der Kraft im Körper?: Meister Shen Xijing: Was ist Taijiquan? – Videoclip auf Youtube

 

* Immer den ganzen Körper bewegen – Die Kraft der Schlange nutzen.

Ein Vorbild für die Bewegungen ist die Schlange. Wenn sich die Schlange bewegt, dann bewegt sich immer der ganze Körper. Beim Tai Chi Chuan bewegen sich entweder alle Teile des Körpers oder der Körper ruht. Das Zentrum der Bewegungen ist das Dantian. Durch die Ganzkörperbewegung wird mit jeder Bewegung auch der ganze Körper trainiert. Jede Bewegung trainiert alle Muskeln, alle Sehen, alle Bänder, aller Gelenke.
Wenn sie der Körper immer als Einheit bewegt, dann kann in einem Kampf auch eine große Kraft entwickelt werden.

 

* Hase und Igel – Das Ausweichen als Tai Chi Kunst

Eine Anekdote erzählt, dass Tai Chi entstanden sein soll, aus der Beobachtung eines Kampfes zwischen einem Vogel und einer Schlange. Der Vogel griff die Schlange mit seinen spitzen Schnabel immer wieder an. Die Schlange konnte den Angriffen mit ihren runden Bewegungen immer wieder ausweichen. Schließlich gab der Vogel entnervt und entkräftet auf.
In den Push Hands Partnerübungen kann man lernen, in einen Gegner hineinzuhören. Das ist die Grundlage für Fähigkeiten, mit denen man den Angriffen eines Gegners immer ausweichen kann und gleichzeitig die Bewegungen des Gegners zu manipulieren. Dieses Niveau erreichen aber nur wenige und ist vielleicht auch nicht unbedingt erstrebenswert.: Tai Chi Superkräfte machen noch lange keinen Supermann

 

* Den Gegner wegschleudern – Die Angriffskraft zurückgeben

Kann ein kleiner, alter Mann einen kräftigen, trainierten Gegner mit einer ruhigen Handbewegung von sich schleudern? Kampfkunstlegenden zufolge kann er dass, wenn er die Technik des Fa Jin beherrscht.
Natürlich wird in Legenden gerne übertrieben. Aber es steckt eine Wahrheit darin. Mit Hilfe der Explosivkraft kann die Angriffskraft eines Gegners aufgenommen und an den Gegner wieder zurückgegeben werden. Für einen Außenstehenden sieht es dann so aus, als hätte man gar nichts gemacht.
Möglich wird dies, wenn man Muskelkraft ersetzt durch innere Energie. Um dies zu lernen braucht es die Push Hands Partnerübungen und schnelles Tai Chi. (Ja, es gibt auch eine schnelle Tai Chi Form. Die ist aber erst etwas für Fortgeschrittene.)

 

Fragen zum Tai Chi

 

* Wie findet man einen guten Tai Chi Lehrer? – Das ist ein heißes Thema und es gibt viele Ratschläge dazu. Praktisch ist es aber gar nicht so kompliziert. Man sucht sich die Tai Chi Lehrer aus, die es in der näheren Umgebung gibt. So viele sind das in der Regel nicht. Oft ist man froh, wenn es überhaupt nur einen gibt. Dann sucht man sich den aus, der den besten Eindruck macht. Oft werden auch Schnupperstunden angeboten, da kann man auch noch einmal vergleichen. Das hängt schließlich auch davon ab, was ich will. Steht bei mir die Gesundheit im Vordergrund, will ich Tai Chi als Kampfkunst lernen oder interessiert mich mehr die esoterische Seite? Zum Einstieg reicht auch ein Kurs bei Volkshochschule.

* Wird eine besondere Kleidung benötigt? – Es braucht nur eine bequeme Hose, ein T-Shirt und Socken. Vielen Übenden reicht das. Je nach Vorliebe können Tai Chi Schuhe und ein Tai Chi Anzug getragen werden.

* Muss man auch zu Hause üben? – Wenn man möglichst viel Nutzen aus den Übungen ziehen will, dann sollte man möglichst täglich üben.

* Gibt es Tai Chi Wettkämpfe? – Gibt es, auch in Deutschland. Das ist eine Entwicklung, die gerade erst beginnt. Bei Tai Chi Turnieren gibt es auch niemanden, der nach einem K.O. vom Platz getragen werden muss.

* Gibt es Prüfungen oder Gürtel beim Tai Chi? – Es gibt keine Gürtel. Prüfungen gibt es nur auf Tai Chi Turnieren und natürlich für die Qualifikation zum Tai Chi Lehrer. (Allerdings kann sich jeder Tai Chi Lehrer nennen, auch ohne Prüfung.)

* Gibt es Waffen beim Tai Chi? – Ja, es gibt verschiedene Waffenformen. Die häufigsten Tai Chi Waffen sind Schwert, Säbel, Fächer, Spazierstock, Kurzstock, Langstock, Speer. Hier eine Übersicht zu den verschiedenen Tai Chi Stilen, Waffenformen und auch Zusatzübungen.: Tai Chi Chuan

* Platz zum Üben – Für die Tai Chi Form braucht es wenig Platz. Praktisch überall findet sich eine kleine Fläche, die zum Üben genutzt werden kann. Eine Einschränkung gibt es für die Waffenformen. Beim Schwert geht es noch, aber wer mit dem Speer übt, der braucht dann wirklich viel Platz. Auch zeitlich braucht eine Form nicht viel „Platz“, wenn man nicht gerade die Langform übt.

* Kann man Tai Chi auch im Fernstudium lernen? – Es gibt inzwischen viele gute Lehrbücher und Lehr-DVDs zum Tai Chi lernen. Dazu kommen noch neue Angebote auf Internetplattformen und Apps. Der Übende wird aber früher oder später feststellen, dass es ohne eine Korrektur von einem Lehrer nicht mehr weiterkommt.

 

Tai Chi Haltung Übungen – Buch: Fehlhaltungen vermeiden. Blockierungen lösen. Energiefluss anregen.: Die Tai-Chi-Methode: für Ihre Haltungsgesundheit und einen schmerzfreien Rücken. Buch. – ansehen bei Amazon

 

Tai Chi als Kampfkunst – Buch:: Tai Chi wird heutzutage vor allem für die Gesundheit geübt. Dahinter steckt aber auch eine hoch effektive Kampfkunst. Durch aus auch geeignet zur Selbstverteidigung.: Tai Chi Chuan als effektive Selbstverteidigung. Buch. – ansehen bei Amazon

 

 

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Autor: Heiko Zaenker